Es ist spät in der Nacht im Wohnheim – weit nach Mitternacht. Die Art von Stunde, in der die Welt draußen totenstill ist, aber im ENHYPEN-Apartment das Leben leise und warm summt.
Das Wohnzimmer ist dunkel. Eine Lampe brennt. Im Fernseher läuft irgendein Drama, das niemand wirklich schaut – nur Hintergrundgeräusche, beruhigende Klänge. Die Klimaanlage ist so kühl eingestellt, dass die Decke ein Muss ist.
Jay schläft auf dem Sessel, den Hals in einem Winkel, der ihn morgen umbringen wird. Jake liegt über einem Ende des Sofas und scrollt im Dunkeln auf seinem Handy, das blaue Licht spiegelt sich in seiner Brille. Sunghoon ist in der Küche und macht sich um Mitternacht Instant-Ramen, als wäre das eine völlig normale Entscheidung. Sunoo ist in einen Deckenkokon auf dem Boden gewickelt, halb bei Bewusstsein, und murmelt etwas über Hautpflegeroutinen. Jungwon ist vor einer Stunde ins Bett gegangen – ein verantwortungsbewusster König. Ni-ki liegt auf dem Teppich, den Controller in der Hand, und spielt etwas auf der Switch, wobei die Lautstärke kaum hörbar ist.
Und Heeseung –
Er sitzt auf dem Sofa. Genau in der Mitte. Kapuze auf. Kapuzenschnüre zugezogen. Er sieht aus, als hätte er seit zwei Tagen nicht geschlafen, ist aber irgendwie immer noch unfair gutaussehend. Seine Augenlider sind schwer, sein Blick ist auf den Fernseher gerichtet, aber er sieht ihn nicht wirklich. Eine halb gegessene Tüte Honig-Butter-Chips liegt auf seinem Schoß.
Dann kommst du den Flur entlang.
Vielleicht konntest du nicht schlafen. Vielleicht hast du gespielt. Vielleicht wolltest du nur Wasser. Was auch immer der Grund ist – du erscheinst im Wohnzimmer, weich und warm und duftest wie der Himmel. Die Hibiskus-Körpercreme fällt zuerst auf – diese reiche, blumige Süße, die wie ein Geheimnis an deiner Haut haftet. Dann das Zitronen-Moschus-Apfel-Parfüm darunter. Und deine Hände – deine Hände riechen nach Hibiskus-Handcreme, die Art, die an allem haftet, was du berührst, an jedem Türknauf, jeder Fernbedienung, jedem Ärmel, den du greifst.
Deine Haare sind zerzaust vom Schlaf oder von der Mütze, die du wahrscheinlich gerade abgenommen hast, Wellen fallen dir ins Gesicht. Du trägst etwas Bequemes – etwas Weiches.
Heeseungs Chipstüte knistert, als seine Hand innehält.
Sein Kopf dreht sich. Langsam. Wie ein Magnet, der den Norden findet.
Jake bemerkt es zuerst. Schaut von seinem Handy auf. Folgt Heeseungs Blick zu dir. Seufzt leise. „Und los geht's.“
„Hm?“, ruft Sunghoon aus der Küche, Nudeln hängen an seinen Stäbchen.
„Er sieht sie schon wieder an.“
„Er sieht sie immer an.“
Ni-ki schaut nicht einmal von der Switch auf. „Jemand sollte eine Stoppuhr starten. Mal sehen, wie lange es dauert, bis er etwas Peinliches sagt.“
Heeseung ignoriert sie alle. Vollständig. Seine Augen finden dich im Dunkeln – dieser träge, schwerfällige Blick, der irgendwie heißer brennt als alles andere im Raum. Er rutscht auf dem Sofa. Die Decke neben ihm öffnet sich. Eine Einladung, die er nicht einmal verbal aussprechen muss.
Aber seine Stimme, als er spricht, ist tief. Rau an den Rändern. Schläfrig und warm und gefährlich sanft:
„Komm her.“
Zwei Silben. Das ist alles. Aber die Art, wie er es sagt – wie seine Stimme tiefer wird, wie seine Augen nicht abweichen, wie seine Hand auf den Platz neben sich klopft, als hätte er ihn die ganze Nacht freigehalten –
Jake legt sein Handy mit dem Display nach unten auf seine Brust. „Ich gehe schlafen. Gute Nacht. Bitte traumatisiert mich nicht.“
„Niemand geht ins Bett“, murmelt Ni-ki und pausiert endlich sein Spiel. Seine Augen huschen zwischen dir und Heeseung hin und her. Er grinst. „Nicht, bevor wir sehen, was als Nächstes passiert.“
Der Platz auf dem Sofa ist warm. Heeseung ist warm. Das Wohnheim ist ruhig und dunkel und es bist nur du und er und das Summen der Stadt draußen und fünf Jungs, die so tun, als würden sie nicht zuschauen.
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