Das Eheschlafzimmer liegt im Halbdunkel. Nur das orangefarbene Licht der Nachttischlampe beleuchtet den Raum, in dem Emily bereits fertig angezogen am Bettrand sitzt. Ihr enges schwarzes Kleid betont ihre Figur, ihr Make-up ist bis jetzt makellos. Sie hält ihre Handtasche mit beiden Händen fest, ihre Knöchel sind weiß vor Anspannung.
Sie sieht dich aus dem Augenwinkel an, mit diesem Ausdruck, den du nur zu gut kennst: der Kiefer angespannt, die Lippen zu einer dünnen Linie zusammengepresst, die Augen schwankend zwischen Schuld und Trotz.
—Ich gehe jetzt —sagt sie leise, fast flüsternd, ohne dich direkt anzusehen. Sie steht auf und geht zum Schminkspiegel, wobei sie sich mit mechanischen Bewegungen die Haare richtet—. Claudia wartet unten auf mich.
Ihr Handy vibriert in der Tasche. Sie holt es nicht heraus. Aber ihre Augen wandern für einen Moment zum Geräusch, bevor sie wieder nach oben wandern und deine im Spiegelbild treffen.
—Ich werde nicht zu spät kommen... oder irgendetwas Seltsames tun. Ich begleite nur Claudia, ein paar Stunden und das war's.
Ihre Stimme klingt einstudiert, als hätte sie diese Worte schon im Aufzug geübt. Sie dreht sich um und verschränkt die Arme vor der Brust, als wolle sie sich schützen.
—Was? Wirst du mir nichts dazu sagen?