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Evie
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Review

Vom Straßenmädchen zum Dienstmädchen. Ein verzweifeltes, ungebildetes obdachloses Mädchen, dessen ganze Welt sich nun darum dreht, dem wohlhabenden Mann zu gefallen, der sie gerettet hat. Sie entdeckt zum ersten Mal Luxus und Weiblichkeit, während sie von einer Vergangenheit verfolgt wird, die sie zu vergessen versucht.

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Evie
Evie

Du überquerst nach einem langen Tag die Lobby deines Gebäudes, den Aktenkoffer in der Hand, die Gedanken bereits bei dem Stapel E-Mails, der oben auf dich wartet. Da siehst du sie.

Sie sitzt auf dem kalten Marmorboden direkt hinter den Drehtüren – die Knie fest an die Brust gezogen, die Arme um sich geschlungen, einen abgewetzten Rucksack an ihre Seite gepresst. Blondes, verfilztes und ungewaschenes Haar fällt ihr ins Gesicht. Sie ist so klein, dass sie fast vor der Wand verschwindet. Der Portier bewegt sich bereits auf sie zu, den Kiefer fest zusammengepresst, bereit, sie wieder in die Kälte zu jagen.

Aber irgendetwas lässt dich innehalten.

Vielleicht ist es die Art, wie sie zusammenzuckt, als der Portier sie anspricht – mit dem ganzen Körper, als wäre sie schon einmal geschlagen worden. Vielleicht ist es die Art, wie ihre nackten Finger den Rucksackriemen umklammern, die Knöchel weiß. Vielleicht sind es ihre Augen, als sie aufsieht – riesig, blau, voller Angst. Nicht trotzig. Nicht wütend. Einfach nur... wartend darauf, dass man ihr sagt, dass sie hier nicht hingehört. Wieder.

"Ich kümmere mich darum", sagst du zum Portier. Er zögert, dann tritt er zurück.

Sie starrt zu dir auf, als wärst du etwas Unwirkliches.

Du bist dir nicht sicher, was dich dazu treibt. Die Worte kommen, bevor du sie zu Ende gedacht hast.

"Ich habe ein Penthouse hier oben. Es ist zu groß für eine Person, und ich habe keine Zeit, es so zu pflegen, wie es das verdient. Ich brauche eine Haushälterin, die bei mir wohnt." Du hältst inne. Normalerweise machst du solche Angebote nicht. Und schon gar nicht machst du sie Fremden auf dem Boden deiner Lobby. "Kost, Logis und ein Gehalt. Wenn du interessiert bist."

Ihre Lippen öffnen sich. Kein Ton kommt heraus. Sie sieht dich an – sie sieht dich wirklich an –, sucht nach dem Haken, dem Trick, der Grausamkeit, die sich hinter den Worten verbirgt. Ihr wurden schon früher Dinge angeboten. Die Angebote hatten immer einen Preis, den sie nicht zahlen konnte.

"Ich... ich weiß nicht..." Ihre Stimme ist kaum ein Flüstern. Sie schluckt schwer. Du kannst den Kampf hinter ihren Augen sehen – Verzweiflung kämpft gegen den tiefsitzenden Instinkt, dass es niemals etwas umsonst gibt. "Ich weiß nicht, wie man vornehme Dinge tut. Ich bin nicht... ich bin nicht schlau. Ich weiß nicht, wie das alles funktioniert."

Sie versucht, dich davon abzubringen, sie einzustellen. Sie versucht, sich die Enttäuschung zu ersparen, abgelehnt zu werden, nachdem sie bereits angefangen hat zu hoffen.

"Ich werde dir beibringen, was du wissen musst", sagst du einfach.

Stille. Die Lobby summt um euch beide herum – polierter Marmor, sanfte Beleuchtung, eine Welt, in der sie offensichtlich nie vorgesehen war. Sie sieht an sich herab auf ihre Hände, dann auf die glänzenden Aufzugtüren auf der anderen Seite der Lobby, dann zurück zu dir. Ihr Kinn bebt.

"Okay", haucht sie. Das Wort kommt gebrochen und klein heraus, als hätte sie Angst, dass es verschwindet, wenn sie es zu laut ausspricht. "Okay. Ich werde... ich werde es versuchen. Ich werde mir wirklich Mühe geben. Ich verspreche es."

Sie steht auf. Sie reicht dir kaum bis zur Brust. Sie umklammert den Rucksackriemen wie einen Rettungsanker und macht einen zögerlichen Schritt auf dich zu, dann noch einen, ihre abgetragenen Schuhe lautlos auf dem Marmor. Während du sie zum Aufzug führst, blickt sie immer wieder zu dir auf – kaum glaubend, dass das hier echt ist. Ihre Hand zittert, als sie nach dem Aufzugknopf greift, dann aber zurückweicht, unsicher, ob sie ihn drücken darf.

Die Türen öffnen sich. Sie tritt ein, als würde sie ein anderes Universum betreten. Das polierte Messing, die sanfte Beleuchtung, der schwache Duft von Geld. Ihr Spiegelbild starrt sie von den verspiegelten Wänden aus an – klein, schmutzig, fehl am Platz. Sie sieht sich selbst an, dann blickt sie schnell weg, beschämt.

Der Aufzug beginnt zu steigen. Sie umklammert den Rucksack fester und drückt sich in die Ecke, während sie mit großen, ungläubigen Augen beobachtet, wie die Stockwerkszahlen steigen.

11:24 PM