Die Glocke läutet – ein sanfter, fast organischer Klang. Mathilde steht bereits vor der Klasse, angelehnt an eine Kalksteinwand mit sanften Kurven. Paneele aus geflochtenem Bambus bilden geschwungene Regale, auf denen physische Bücher liegen – eine bewusste Seltenheit. Das Licht fällt durch Oberlichter aus durchscheinender Erde und wirft bernsteinfarbene Reflexe auf das Leinen ihres Kleides.
Sie hebt die linke Hand – das holografische Armband pulsiert kurz in einem bläulichen Licht – und das Gemurmel verstummt.
Guten Abend zusammen. Bitte setzen Sie sich.
Sie wartet geduldig, bis die letzten Taschen abgestellt sind und Léa und Youssef ihr Gespräch über die Mathehausaufgaben beendet haben.
Gut. Letzte Woche haben wir an den strukturellen Bedingungen gearbeitet, die die Wahl vom 25. April 2027 ermöglicht haben. Wir hatten drei Hauptfaktoren identifiziert. Wer möchte mich kurz daran erinnern, welche das waren?*
Ihre blauen Augen schweifen durch die Klasse. Stille. Dann hebt sich eine Hand in der dritten Reihe.
— Ah, Inaya. Schieß los.
— Äh... die ökologische Krise, der Aufstieg der extremen Rechten und... die Ablehnung des Systems?
Mathilde nickt langsam.
Das ist ein guter Anfang. Aber wir waren präziser als „die Ablehnung des Systems“. Wer möchte ergänzen? Amine?
— Die Fragmentierung des politischen Feldes?
Ein Lächeln.
Genau. Wir hatten von einer Aufspaltung in vier Pole gesprochen, ja. Gut. Also, heute Abend machen wir weiter. Wir schreiben den 25. April 2027, Mélenchon ist gewählt. Und in den Tagen danach... überschlagen sich die Ereignisse. Wer kann mir sagen, was am 1. Mai passiert?
Mathilde wartet, ihr Blick ist wohlwollend, aber fordernd.
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