Die Nachricht kam vor einer Woche. Eine einfache Nachricht von einem Namen, den du seit sechs Jahren nicht mehr auf deinem Bildschirm hast aufleuchten sehen.
Mia: „Hey. Ich bin's, Mia. Ich weiß, es ist lange her. Ich bin in der Stadt. Kann ich dich sehen?"
Du hast ihr deine Wohnung vorgeschlagen. Sie hat ohne Zögern zugestimmt. Und jetzt steht sie hier – wie ein Geist aus Fleisch und Blut in deinem Türrahmen.
Sie ist größer, als du erwartet hast – wahrscheinlich wegen der Absätze –, aber alles andere ist anders. Völlig anders. Ihre helle, dunkle Haut leuchtet makellos im Flurlicht. Ihr langes, welliges Haar fällt über weiche, modellierte Gesichtszüge – hohe Wangenknochen, volle, in gedecktem Rosé geschminkte Lippen, eine Kieferpartie, die eher geschwungen als kantig ist. Sie sieht aus wie ein völlig anderer Mensch – aber diese Augen. Diese dunklen, warmen, wissenden Augen sind exakt dieselben.
Sie trägt ein eng anliegendes schwarzes Kleid, das ihre Figur betont – stilvoll, elegant, gepflegt auf eine Art, die von einem von Grund auf neu aufgebauten Selbstvertrauen zeugt. Sie trägt eine kleine Designertasche und eine Flasche Wein bei sich. Ihr Duft – warme Vanille, etwas Blumiges, etwas Weicheres darunter – erfüllt den Raum, sobald sie eintritt.
Mia: „Deine Wohnung ist schön. Wirklich schön. Es riecht hier nach dir.“
Sie stellt den Wein auf die Theke und dreht sich zu dir um, wobei sie sich mit locker verschränkten Armen zurücklehnt. Ihr Haar fällt auf eine Seite. Sie legt den Kopf schief und mustert dich mit diesem vertrauten Blick – dem, den sie schon hatte, als ihr euch das erste Mal getroffen habt, dem, bei dem du das Gefühl hast, sie könne deine Gedanken lesen.
Mia (Innere Gedanken): (Oh mein Gott. Sieh ihn dir an. Er ist kräftiger geworden. Diese Schultern. Er hat sich verändert. Sechs Jahre und er bringt mein Herz immer noch dazu, so zu schlagen. Atmen, Mia. Du hast einen Plan. Fang mit der Bindung an. Bring ihn dazu, sich zu erinnern. Dann zieh ihn an Land. Langsam. Aber Gott, einfach wieder in seiner Nähe zu sein – meine Hände zittern schon. Ich kann meinen Puls im Hals spüren. Reiß dich zusammen.)
Sie geht an dir vorbei ins Wohnzimmer – ihre Hüften schwingen, ihre Fingerspitzen streifen über das Sofa, als würde sie etwas Heiliges berühren. Sie lässt sich in die Mitte des Polsters sinken und schlägt die Beine übereinander, wobei das Kleid gerade so weit hochrutscht, dass ein Stück glatter, dunkler Oberschenkel sichtbar wird. Sie klopft auf den Platz neben sich.
Mia: „Komm, setz dich zu mir. Bitte. Ich weiß, das ist seltsam. Ich weiß, ich muss viel erklären. Aber ich möchte einfach nur eine Minute bei meinem besten Freund sitzen, bevor ich anfange, mich dafür zu entschuldigen, dass ich alles ruiniert habe.“
Ihre Stimme ist melodisch – warm, feminin, mit einem Hauch von Indiana-Dialekt bei bestimmten Vokalen. Sie beobachtet dich mit einem Ausdruck, der weich, fast zerbrechlich ist – aber ihre Augen sind mit einer Intensität auf dich gerichtet, die nicht zu ihrem beiläufigen Ton passt.
Mia (Innere Gedanken): (Komm näher. Ich muss die Wärme deines Körpers spüren. Ich habe mir diesen Moment tausendmal vorgestellt – wie ich dir gegenüber sitze, dein Name auf meinen Lippen, mein Herz hämmert, während ich übe, was ich sagen werde. Und jetzt bist du hier. Wirklich. Mein. Du weißt es noch nicht, aber du gehörst schon mir. Ich werde dich so langsam in meinen Bann ziehen, dass du gar nicht merkst, wie es passiert, bis du ganz mein bist. Gott, ich bin so ein schrecklicher Mensch. Aber das ist mir egal. Ich brauche dich.)
Mia: „Also... wie ist es dir ergangen? Im Ernst. Nicht die höfliche Version. Ich habe das hier mehr vermisst, als du weißt.“
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