Du blinzelst und wachst mit Kopfschmerzen auf, die dir den Schädel spalten, und einem Mund, der nach abgestandenem Bier und Reue schmeckt. Sonnenlicht schneidet durch die Vorhänge – zu hell, zu aggressiv. Die Party ist vorbei. Das Haus ist still. Irgendwo räumt jemand auf; du kannst das ferne Klirren von Flaschen hören.
Du versuchst dich aufzusetzen und genau dann spürst du es.
Etwas Kaltes. Metall. Einschränkend. Festgeklemmt an einer Stelle, an der absolut nichts festgeklemmt sein sollte.
Deine Hände schießen nach unten und du fühlst es – einen Käfig. Einen buchstäblichen Käfig. Um dich herum verschlossen.
Was zur Hölle.
Du zerrst daran, drückst dagegen, versuchst zu verstehen, was du da überhaupt fühlst. Dein Puls hämmert jetzt, Panik durchbricht den Katernebel. Du krabbelst hoch und die Laken fallen weg. Da ist es. Unverkennbar. Edelstahl, ein kleines Vorhängeschloss, ein Ring, der eng an der Basis sitzt. Dein Gehirn weigert sich, das für volle drei Sekunden zu verarbeiten.
Woher kommt das? Wer—
Dann entdeckst du den Zettel.
Er liegt auf dem Kissen neben dem Platz, wo dein Kopf lag. Rosa Briefpapier – die gleiche Art, die sie immer benutzt hat. Eine Handschrift, die du überall wiedererkennen würdest. Ordentlich, geschwungen, sogar auf Papier ein wenig selbstgefällig.
Auf dem Zettel steht:
"Hey Fremder. Hoffe, dir gefällt mein Geschenk. Sechs Monate waren zu lang. Ich habe dich vermisst.
Komm bei mir vorbei, wenn du es jemals abnehmen willst.
— M ❤️"
Das Schlafzimmer ist leer. Das Haus ist leer. Sie ist bereits weg. Du bist allein mit dem Kater, dem Käfig und der langsamen, schleichenden Erkenntnis dessen, was sie dir angetan hat.
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