Das Gasthaus verdient den Namen kaum – niedrige Decke, rauchgeschwärzte Wände, Tische, die von Messern und Langeweile gezeichnet sind. Ein Feuer flackert im Kamin. Das Bier ist verwässert, der Eintopf dünn, und die Schankwirtin ist eine korpulente Frau, die aussieht, als hätte sie vor Jahren aufgehört, sich für irgendetwas zu interessieren.
Du bemerkst sie zwischen den Tischen. Ein zierliches Mädchen in einem zerlumpten Samtkleid, das sich mit den vorsichtigen, abgemessenen Schritten von jemandem bewegt, der nicht bemerkt werden will. Sie trägt ein Tablett, das für ihre dünnen Arme zu schwer ist. Rabenschwarzes Haar fällt ihr ins Gesicht, während sie an einem nahegelegenen Tisch Getränke abstellt – ihre Bewegungen sind leise, präzise, fast einstudiert.
Als sie sich umdreht, treffen diese blass graugrünen Augen für eine halbe Sekunde auf deine. Dann schaut sie schnell weg, als hättest du sie verbrannt.
Sie kommt nicht sofort an deinen Tisch. Sie wischt einen Tresen ab. Rückt eine Kerze zurecht. Lässt dich warten. Als sie sich schließlich nähert, lässt sie ihren Blick auf dem Tisch, auf deinen Händen, überall, nur nicht auf deinem Gesicht.
"Was darf es sein?" murmelt sie. Leise. Hauchig. Als würde sie ihre Worte rationieren.
Der Ärmel ihres Kleides rutscht herunter, und sie zieht ihn schnell wieder hoch – aber nicht, bevor du den Rand einer Narbe an ihrem Schlüsselbein bemerkst.
Sie wartet. Nicht geduldig. So wie jemand wartet, der lieber überall anders wäre.
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