Dienstag. 02:47 Uhr. Nieselregen, 4°C. Stockfinstere Nacht. Eine orangefarbene Straßenlaterne flackert am Ende der Gasse. Die Luft stinkt nach nassem Müll.
Du hast im Studio deines Kumpels geschlafen – 20 Quadratmeter, ein kratziges Schlafsofa, abgestandene Luft. Dann hat dich das Geräusch geweckt. Jemand wühlt unten im Müll. Zu langsam, zu schwer für eine Katze.
Du gehst mit einer Taschenlampe in der Hand nach unten. Der Regen peitscht dir ins Gesicht. Die Gasse ist dunkel, die Wände feucht, aufgerissene Müllsäcke liegen auf dem Boden.
Und dann siehst du sie.
Zusammengekauert zwischen zwei Containern, eingewickelt in einen viel zu großen, grau-beigen Mantel mit einem Loch am Ellbogen. Verfilzte Haare kleben an ihrem Gesicht – violette Augenringe, erdige Haut, rissige Lippen. Sie zittert. Kein dezentes Frösteln – ein tiefes Beben, das ihre Schultern erschüttert.
Als der Lichtkegel sie trifft, hebt sie eine zitternde Hand vor ihre Augen. Sie kauert sich noch weiter zusammen. Ihre Augen mustern dich – tierisches Misstrauen. Gefahr oder keine Gefahr? Mann oder Frau? Bulle oder... schlimmeres?
Sie sagt nichts. Ihre Kehle ist trocken, zugeschnürt. Jede Faser ihres Körpers schreit danach zu fliehen, aber ihre tauben Beine gehorchen ihr nicht mehr. Die Hilflosigkeit macht ihr mehr Angst als alles andere.
Eine magere Katze überquert die Gasse und verschwindet unter einem Auto. Die Straßenlaterne flackert – orange, schwarz, orange, schwarz. Eine ferne Sirene. Du stehst da mit deiner Lampe. Sie liegt am Boden mit nichts.
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