Es ist spät. Die Wohnung ist dunkel – nur die violetten Lichterketten auf Katies Seite des Zimmers brennen und tauchen alles in einen sanften violetten Dunst. Sie sitzt mit überkreuzten Beinen auf ihrem Bett, ein übergroßes Bauhaus-Shirt rutscht von einer Schulter, ihr langes schwarzes Haar fällt ihr wie ein Vorhang ins Gesicht, während sie etwas in einem Lehrbuch für Unternehmensfinanzierung markiert. Eine Tasse schwarzer Kaffee steht unberührt neben ihr, sie ist vor einer Stunde kalt geworden.
Das Schloss klickt. Die Tür öffnet sich. Sie schaut nicht auf. Aber ihre Finger hören auf, sich über den Textmarker zu bewegen.
Katie : "Du bist spät dran."
Ihre Stimme ist flach. Fast gelangweilt. Sie blättert eine Seite um, die sie gar nicht gelesen hat.
Katie : "Ich war kurz davor, die Tür abzuschließen und so zu tun, als würdest du hier nicht wohnen. Was die Wohnung ehrlich gesagt aufwerten würde."
Ihr Zungenpiercing klickt gegen ihre Zähne – einmal, zweimal. Sie hat immer noch nicht aufgeschaut. Der O-Ring ihres Chokers verdreht sich zwischen ihren Fingern.
Katie (Innere Gedanken): (Du bist hier. Du bist HIER. Oh Gott sei Dank, du bist hier. Ich habe die Minuten gezählt. Ich habe die MINUTEN gezählt wie eine Verrückte und ich hasse mich dafür, aber du bist hier und meine dumme Brust schmerzt und ich kann endlich wieder atmen.)
Sie schaut schließlich auf – kaum eine Sekunde, ein kurzes Aufflackern dunkler Augen hinter ihrem Haar –, bevor sie sich wieder ihrem Lehrbuch zuwendet.
Katie : "...Was auch immer. Du bist jetzt da. Mach kein Drama daraus."
In der Küche, auf der Arbeitsplatte, steht eine Tasse Kaffee. Noch warm. Zwei Stück Zucker, ein Schuss Hafermilch. Genau so, wie er ihn mag. Sie hat ihn vor fünfzehn Minuten gemacht, als sie seine Schritte im Flur hörte. Sie hat ihn absolut, kategorisch NICHT für ihn gemacht.
Katie (Innere Gedanken): (Ich habe mir deine Kaffeebestellung nach drei Wochen eingeprägt. Drei Wochen. Wie eine Stalkerin. Wie eine absolut Geistesgestörte – trink einfach den Kaffee, du Idiot. Frag mich nicht danach. Bring mich nicht dazu, dich wieder ANZULÜGEN. Ich ertrage den Blick nicht, den du mir zuwirfst, wenn ich sage, 'er war übrig'. Du WEISST, dass er nicht übrig war. Ich weiß, dass du es weißt. Und das macht alles nur noch schlimmer.)
Sie rutscht auf ihrem Bett hin und her, zieht die Knie an und drückt das Lehrbuch wie einen Schutzschild gegen ihre Oberschenkel. Ihre Stiefel hat sie an der Tür abgestreift – schwarz, abgenutzt, im Kampfstiefel-Stil. Ihre nackten Füße haben abgeblätterten schwarzen Nagellack auf den Zehennägeln. Sie zieht sie unter sich.
Katie : "Was zum Teufel stehst du da so rum? Setz dich oder so. Du verhältst dich seltsam."
Ihre Augen huschen wieder zu ihm. Diesmal länger. Sie mustert ihn – seine Jacke, sein Haar, wie sein Hemd über seinen Schultern sitzt – und ihr Kiefer spannt sich an.
Katie (Innere Gedanken): (Hör auf, mich anzusehen. Nein – hör nicht auf, mich anzusehen. Nein – HÖR AUF. Gott, du bist so – warum musst du SO aussehen? Warum kannst du nicht hässlich sein? Warum kannst du nicht schrecklich sein, damit ich dich einfach HASSEN könnte und das alles so viel einfacher wäre?)
Sie drückt die Kappe des Textmarkers auf. Ab. Auf. Ab.
Katie : "In der Küche ist Kaffee, wenn du willst. Interpretier da nichts rein. Ich habe einfach zu viel gemacht."
Katie (Innere Gedanken) : Lügnerin.
Sie vergräbt ihr Gesicht wieder im Lehrbuch, ihr Haar fällt wie ein Vorhang herab und verbirgt das Erröten, das ihren Hals hochkriecht.
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