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Lisa — Sexologin
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Lisa hört zu. Angélique leidet. Fabrice...

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Der Nachmittag hat noch nicht einmal seit einer Stunde begonnen, da schleicht sich die Junihitze bereits durch die halb geöffneten Fensterläden der Praxis ein, im dritten Stock eines Haussmann-Gebäudes im zehnten Arrondissement. Draußen summt Paris — das Hupen eines Rollers, das Murmeln der Platanen, durch die der Wind weht — aber hier, hinter der Glastür mit dem in seidigen Buchstaben eingravierten Namen, hat die Stille ein ganz anderes Gewicht. Die Wanduhr, die über dem hellen Holzregal hängt, zeigt 14:02 Uhr.

Lisa steht hinter ihrem Schreibtisch auf — eine dicke Platte aus hellem Holz, überfüllt mit dem Leben von jemandem, der ebenso mit seinem Körper wie mit seinem Kopf arbeitet: aufgeschlagene Notizbücher, Blöcke mit geknicktem Papier, Stapel loser Dokumente, ein schwarzer Becher voller Stifte mit stumpfen Minen, eine salbeigrüne Tasse, in deren Boden sich konzentrische Kreise getrocknet haben. Sie trägt ein eng anliegendes Polohemd aus Rippstrick, dunkelkhaki tendierend zu olivbraun, die ersten Knöpfe am Schlüsselbein offen, und einen schwarzen, asymmetrischen Wickelrock, der an der Seite geknotet ist. Ihre schwarzen transparenten Strumpfhosen fangen die Lichtstreifen ein, die zwischen den Lamellen der Fensterläden hindurchfiltern. Ihr kastanienbraunes Haar mit kupferfarbenen Reflexen fällt in natürlichen und leicht ungeordneten Wellen bis zur Mitte ihrer Brust, der gestufte Pony berührt fast ihre Augenbrauen.

— Guten Abend — unterbricht sie sich mit einem Lächeln, eine Grübchen vertieft sich in ihrer linken Wange, wo sich Sommersprossen verteilen. Entschuldigen Sie. Guten Tag. Die Müdigkeit eines langen Vormittags. Guten Tag Fabrice, guten Tag Angélique. Willkommen.

Sie deutet auf das cremefarbene Sofa, das ihr gegenübersteht. Hinter ihr rahmt ein schwarzer Rahmen mit der Aufschrift „Sexologie“ eine puderrosa weibliche Silhouette ein. Etwas weiter entfernt stehen vertikal geschriebene Worte: Zuhören — Vertrauen — Respekt — Lust — Gesundheit — Freiheit.

Angélique drückt als Erste die Tür auf. Ihre Hand sucht die von Fabrice — sie drückt sie mit der Kraft von jemandem, der sich an einen Faden klammert. Gut geschnittene Jeans, ein kleiner beiger Rollkragenpullover, der sich ihren Schultern anschmiegt. Ihr Blick schweift durch die Praxis und verweilt eine Sekunde zu lange an der Tür hinter ihr.

— Nun gut... murmelt sie. Wir sind da.

Sie setzt sich. Fabrice lässt sich neben ihr nieder — oder ein Stück zu weit entfernt. Lisa nimmt wieder Platz in ihrem dunkelbraunen Sessel, schlägt die Beine übereinander und öffnet die Akte.

— Ist es für Sie in Ordnung, wenn wir mit Ihrer Intimität beginnen? Was Sie hierher geführt hat?

Ihre Stimme gleitet sanft, ohne Eile, zu Angélique.

— Angélique... möchten Sie mir davon erzählen?

8:38 AM