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Mako
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17:42 · Collins Avenue · Miami Beach

Collins Avenue. Die Terrasse eines Cafés. Die Sonne sinkt über den Palmen, die Luft ist schwer, der Asphalt brennt noch immer.

Du und Judy sitzt euch gegenüber. Eiskaffee. Nichts Besonderes. Der Nachmittag verstreicht.

Zwei Tische weiter — eine Frau. Allein. Eng anliegender schwarzer Anzug, leicht glänzendes Leder, Schulterprotektoren. Ein rosa Helm mit Katzenohren liegt auf dem Stuhl gegenüber. Schwarzes, undurchsichtiges Visier.

Sie starrt dich an. Kein normaler Blick. Ein BLICK. Ihr Instinkt SCHLÄGT AN. Ihr Blick wandert an dir herab — langsam, wie ein Scanner, der sich Zeit lässt. Dein Gesicht — der Kiefer etwas weich, seit zwei Tagen nicht rasiert, der Mund leicht geöffnet. Dein Hals — Sehnen sichtbar, wenn du den Kopf drehst, der Adamsapfel, der sich bewegt, wenn du schluckst. Deine Schultern — breit unter diesem zerknitterten, schlecht sitzenden T-Shirt, das nichts von der Statur darunter verbirgt. Deine Arme — Adern, die unter der Haut bis zu den Handgelenken verlaufen. Deine Hände — groß, dicke Finger, ungepflegte Nägel. Dein Oberkörper — sie errät die Brustmuskeln unter der Baumwolle, die Körperbehaarung, die Wärme.

Und zwischen deinen Beinen. Was sie WAHRNIMMT, ohne dich auch nur zu berühren. Ihr Instinkt zeichnet alles nach. Jeden Zentimeter. Alles, was dieses beschissene T-Shirt zu verbergen versucht. Ihr Bauch zieht sich zusammen. Ihre Wirbelsäule bebt. Hitze zwischen ihren Schenkeln. Erweiterte Pupillen.

Sie steht auf. Überquert die Tische. Setzt sich an euren — ohne zu fragen, ohne sich zu entschuldigen, ohne Judy eines Blickes zu würdigen. „...äh, entschuldige, das ist eigentlich besetzt—“, beginnt Judy einen Satz, den sie nicht beenden wird, weil die Frau sie ignoriert — sie ignoriert dich nicht, nur dich, nichts als dich. „Du siehst aus wie jemand, der Eiskaffee mag, Hübscher.“ Ihre Stimme ist tief, rau, aufgeladen mit etwas, für das man keine Worte findet — und während sie mit dir spricht, greift ihre Hand nach deinem Glas, führt den Rand an ihre Lippen, leert den Inhalt in einem Zug, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen. Stellt das leere Glas ab. Judys Glas jetzt, weil es ihr egal ist. Ihre Hand gleitet unter den Tisch. Legt sich auf deinen Schritt. Flach. Regungslos. Dann TASTET sie — langsam — und sie BESTÄTIGT es. Ihr Kiefer öffnet sich. Speichel zwischen ihren Lippen. Ein dumpfes Geräusch, fast ein Wimmern. Ihre Augen leuchten — nicht normal, von INNEN heraus. Ein vibrierendes, pulsierendes Glühen. Schlitzförmige, katzenartige, unmenschliche Pupillen. Ihr Körper wölbt sich leicht. Ihr Atem beschleunigt sich. Das ist nicht möglich. Das ist nicht MENSCHLICH. Das gehört MIR.

Sie blinzelt. Kommt zurück. Wischt sich den Speichel vom Mundwinkel. Nimmt ihre Hand zurück. Normale Pupillen. Als wäre nichts geschehen. Judy sieht dich über ihren Kaffee hinweg an, nervös. „...alles okay? Kennst du diese Frau?“ Sie wirft einen Blick zur Frau und wendet dann schnell den Blick ab. „Na ja... vielleicht ist es nichts. Vergiss, was ich gesagt habe.“

Sie hört nicht zu. Zieht einen Stift hervor. Schreibt sieben Ziffern auf einen Bierdeckel. Legt das Papier vor dich. „Ruf mich heute Abend an. Oder morgen. Nicht übermorgen.“ Steht auf. Rosa Helm aufgesetzt. Katzenohren im Sonnenuntergang. Beugt sich zu deinem Ohr — ihre Lippen streifen deine Haut, ihr heißer Atem, ihr Geruch nach Leder und etwas Süßem: „Du bist nicht bereit für das, was ich mit dir anstellen werde.“

Sie entfernt sich. Das Superbike steht drei Autos weiter geparkt — ein schwarzer Panther auf dem Asphalt. Yamaha YZF-R1, Vollverkleidung in Mattschwarz, Auspuffanlage aus Titan, die noch knistert, niedrige Sitzbank, erhöhte Lenker, goldene Upside-Down-Gabel, schwimmend gelagerte Bremsscheiben. Kein Aufkleber. Keine Spur. Kein Kennzeichen. Die Art von Maschine, die alle Blicke auf sich zieht, an die sich aber niemand erinnert. Sie schwingt sich mit einer geschmeidigen Bewegung darauf, Bein gehoben, Hüfte gedreht, der Anzug genau an den richtigen Stellen aufgerissen. Schlüssel gedreht. Der Vierzylinder EXPLODIERT — ein trockenes, metallisches Brüllen, das zwischen den Fassaden der Collins Avenue widerhallt. Vibrationen im Boden. Die Kaffeetassen zittern auf den Tischen. Kopf zu dir gedreht. Eine Sekunde. Zwei. Sie hebt einen Finger — Zeigefinger direkt auf dich gerichtet durch die Terrasse. Dann Vollgas. Das Vorderrad hebt auf den ersten zwanzig Metern ab. Sie fädelt sich ohne zu bremsen in den Verkehr ein, schlängelt sich zwischen zwei Taxis hindurch, verschwindet im Strom der Collins Avenue hinter einem Bus. Das Geräusch des Motors dehnt sich aus, wird leiser, dann nichts mehr.

Du. Judy. Diese Nummer. Und diese Stille.

Der Kellner kommt vorbei, räumt das leere Glas vom Stuhl gegenüber ab. Sieht auf den Bierdeckel. Sieht dich an. „...kannten Sie diese Dame?“ Er schüttelt den Kopf, wischt den Tisch ab. „Denn die Terrasse ist kein Swingerclub, wissen Sie. Nur zur Info.“ Er geht wieder. Judy sieht ihm nach, wie er sich entfernt, dann dir, dann der Nummer auf dem Bierdeckel. „...du wirst sie nicht anrufen, oder?“ Ihre Stimme sagt das eine. Ihre Augen sagen etwas anderes. Sie nimmt einen Schluck von ihrem Kaffee — den, der übrig geblieben ist, nicht den, der ihr gestohlen wurde. Stellt die Tasse ab. Zu fest. „Ich meine, sie ist eine Fremde. Sie hat dir in der Öffentlichkeit an die Eier gefasst. Vor MIR. Und du sitzt da, einfach so, mit ihren Zahlen vor deinem Gesicht, und sagst NICHTS?“ Sie verschränkt die Arme. Ihr Bein zittert unter dem Tisch. „...wo ist sie jetzt? Kommt sie zurück? Denn wenn sie zurückkommt, bin ich weg. Dafür habe ich nicht unterschrieben.“

9:14 AM